Saitenwechsel: Westerngitarre

String change steel string – start

Das ist unsere Ausgangssituation:

Zusätzlich zu einem frischen Satz Saiten, braucht man einen Saitenschneider (eine Beißzange) und ein Stimmgerät. Eine Saitenkurbel vereinfacht und beschleunigt den Saitenwechsel.

Wenn man möchte, kann man vor dem Saitenwechsel mit einem kleinen Stahllineal die Saitenhöhe am 12. Bund messen (Oberkante Bundstäbchen zu Unterkante tiefe E-Saite). Anhand der Saitenhöhe kann man leicht einschätzen, ob sich nach dem Saitenwechsel etwas am Setup der Gitarre geändert hat. Man kann auch die Halskrümmung messen, in dem man einen Kapodaster am ersten Bund befestigt, mit einer Hand die tiefe E-Saite am 14. Bund niederdrückt, und mit der anderen Hand am siebten Bund mit dem Lineal den Abstand zwischen Bundstäbchen und Saite misst. Für unsere Zwecke reicht aber das einfache Messen der Saitenhöhe vollkommen aus.

Am wenigsten Arbeit macht man sich, wenn man bei Saitenwechsel darauf achtet, dass der neue Saitensatz die gleiche Stärke wie der alte hat.

String change steel string – loosening string

Ich finde es am Einfachsten immer alle Saiten auf einmal zu entfernen.

Manchmal liest man Behauptungen, dass es Westerngitarren irgendwie beschädigen könnte, wenn man alle Saiten gleichzeitig abnimmt. Ich glaube nicht an so etwas; seit dem ich 1977 mit dem Gitarrespielen angefangen habe, habe ich meine Saiten immer so gewechselt, und nie irgendwelche Probleme deswegen gehabt. Sogar Martin Guitars nehmen in ihrem eigenen Video alle Saiten auf einmal ab – und die müssten es ja schließlich wissen!

String change steel string – cutting old string

Wenn alle Saiten komplett gelockert sind, schneide ich sie einfach in der Mitte durch.

Das muss man nicht tun, aber ich finde, es ist einfacher mit kurzen Drähten zu hantieren, als mit der kompletten Saite.

String change steel string – winder pin puller

Die meisten Westerngitarren haben Stege, bei denen die Saiten mit speziellen Stiften, den sogenannten Bridge Pins, befestigt werden. Bridge Pins sind heutzutage meistens aus Plastik, können aber auch aus Knochen, Holz oder Messing gefertigt sein.

Bei Saitenkurbeln findet sich meist eine Aussparung, die zum Heben der Bridge Pins gedacht ist. Meiner Erfahrung nach sind die Pins aber beinahe immer so fest von den Ball-Ends (den Ringen am Ende der Saite) eingeklemmt, dass man nicht direkt mit der Kurbel hebeln gehen sollte, um Schäden zu vermeiden.

String change steel string – push end in

Oft bekommt man die Bridge Pins sogar per Hand entfernt:

Als Erstes drückt man die Saite ca. einen Zentimeter in den Korpus hinein, um das Ball-End „auszurasten“.

String change steel string – pull pin out 1

Normalerweise kann man danach ohne Mühe den Befestigungsstift aus der Brücke ziehen.

String change steel string – pull pin out 2

Falls ein Pin wirklich klemmen sollte, würde ich empfehlen, die Brückenoberfläche und den Stift mit einem Stück Küchenrolle (oder dünnem Stoff) vor Beschädigungen zu schützen.

tak-n20-bridge

Es gibt auch Westerngitarren, welche einen Steg ohne Pins haben, z. B. eine Menge Ovations und einige Takamine-Modelle. Bei solchen Stegen werden die Saiten einfach von hinten durch den Steg gezogen.

String change steel string – take string off machine head

Am anderen Ende öffnet man einfach die Windungen um den Stimmwirbel, und zieht die Saite dann heraus.

Fall das Griffbrett und/oder die Brücke trocken wirken, ist jetzt der beste Zeitpunkt, sie mit einem speziellen Griffbrett-Öl zu pflegen.

String change steel string – put pin in

Die frische Saite wird zuerst in der Brücke verankert, in dem man das Ball-End in das richtige Loch steckt, und dann den Bridge Pin hinterher schiebt.

String change steel string – pull on string

Wenn man dann ein bisschen an der Saite zieht, während man mit der anderen Hand den Befestigungsstift am Platz hält, rutscht das Ball-End hoch und klemmt den Pin fest.

String change steel string – stringing 1

Als Nächstes fädelt man die Saite von der Mitte her durch die Stimmmechanik…

String change steel string – stringing 2

…wickelt das freie Ende um den Pfosten, und unter der Saite durch…

String change steel string – stringing 3

…und klemmt es mit der Saite ein.

String change steel string – stringing 4

Beim Aufwickeln auf den Wirbel sollte die Saite so heruntergedrückt werden, dass die Saite sauber von oben nach unten auf den Pfosten aufgefädelt wird.

String change steel string – keep pin in place

Sobald etwas Spannung in die Saite kommt, lohnt es sich den Bridge Pin mit dem Finger zu sichern, damit er nicht doch beim Stimmen heraus springt.

String change steel string – cut off end

Ich würde empfehlen das freie Saitenende abzuzwacken, sobald die Saite ungefähr gestimmt ist. Ich biege den übrig gebliebenen Stummel dann etwas in Richtung Kopfplatte. Aber Vorsicht – eine abgeschnittene Saite ist sehr scharf!

Ich ziehe neue Saiten immer in Paaren auf: Erst die beiden E-Saiten, dann das Paar A und h, und als letztes die D- und g-Saite.

String change steel string – strings on machine heads

Wenn alle Saiten aufgezogen sind, sollte das Resultat ungefähr so aussehen.

String change steel string – pin height

Die Bridge Pins sollen alle gleich hoch aus der Brücke herausragen.

String change steel string – string stretching

Frische Stahlsaiten sollten nach dem Aufziehen ein paar Mal gedehnt werden, damit sie ihre Stimmung gleich von Anfang an gut halten. Das funktioniert so: Erst die Gitarre stimmen. Danach wird jede Saite ein Stück vom Griffbrett weg gezogen (die linke Hand sichert die Saite gleichzeitig am ersten oder zweiten Bund), und die Stimmung erneut überprüft. Nach vier bis fünf Durchgängen sollten sich die Saiten dann nicht mehr nennenswert verstimmen, und die Gitarre ist einsatzbereit.

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Falls man vor dem Saitenwechsel die Saitenlage gemessen hat, kann man den Wert mit der Saitenhöhe nach dem Wechsel vergleichen.

Falls die Saitenhöhe deutlich größer ist, als vor dem Wechsel, ist der neue Saitensatz mit hoher Wahrscheinlichkeit doch dicker als der alte gewesen. In diesem Fall sollte man den Halsstab (mit dem passenden Werkzeug) um eine Vierteldrehung (max. eine halbe Drehung) fester ziehen.

Falls die Saitenlage deutlich niedriger ist, als vor dem Wechsel, ist der neue Saitensatz mit hoher Wahrscheinlichkeit doch dünner als der alte gewesen. In diesem Fall sollte man den Halsstab (mit dem passenden Werkzeug) um eine Vierteldrehung (max. eine halbe Drehung) lockern.

Der Halsstab ist grundsätzlich nur zur Einstellung der Halskrümmung (engl. Relief) gedacht. Auch obwohl die Halskrümmung einen direkten Einfluss auf die Saitenlage hat, sollte man den Halsstab nicht primär zur Einstellung der Saitenhöhe benutzen. Die Saitenlage wird bei einer Westerngitarre vom Gitarrenbauer justiert, in dem die Höhe der Stegeinlage verändert wird (z. B. durch Abschleifen oder Austausch).

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Saitenwechsel: Klassische Gitarre

(Fotos: Miloš Berka)

Dies ist unsere Ausgangssituation:

Eine Saitenkurbel vereinfacht und beschleunigt den Saitenwechsel, und ein Stimmgerät hat man besser auch zur Hand. Ich entferne alte Nylonsaiten gerne mit einer Schere (s. weiter unten). Ein Tuch ist nützlich, wenn man die Gitarre auch einmal abwischen möchte, oder auch um das Instrument vor Kratzern und Dellen zu schützen.

Am wichtigsten sind natürlich die Saiten:

Es gibt für klassische Gitarren in der Regel Saitensets in zwei verschiedenen Spannungen – High-Tension (höherer Saitenzug, also ein steiferes Feel) und Low-Tension (niedrigerer Saitenzug, also etwas weicher im Spielgefühl). Im Gegensatz zu Western- oder E-Gitarren kann man bei der klassischen Gitarre von einem Saitentyp auf den anderen wechseln, ohne dass man danach ein Setup benötigt. Es geht einfach darum den „richtigen“ Saitentyp für ich selbst zu finden, ein bisschen Experimentierfreude lohnt sich.

Ich bin ein großer Kerl mit einem sehr festen Anschlag, weshalb ich High-Tension-Saiten auf meiner klassischen Gitarre vorziehe.

Weil das so oft gefragt wird:

Nein, bitte niemals Western- oder E-Gitarren-Saiten auf eine klassische oder Flamenco-Gitarre aufziehen! Solche Saiten (Stahlsaiten) haben einen um ein Mehrfaches größeren Zug als Nylonsaiten. Stahlsaiten reißen einer klassischen Gitarre den Steg von der Decke – mit unweigerlich grauenhaften, strukturellen Schäden als Folge!

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Als Erstes lockert man die Saiten bis sie schlaff über dem Griffbrett hängen. Falls sich deine Stimmwirbel sehr steif anfühlen, lohnt es sich ein-zwei Tropfen Feinmechaniköl auf Zahnräder und Schneckengetriebe zu tropfen.

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Ich mache mir das Leben einfacher, indem ich die (komplett gelockerten) Saiten einfach mit einer Schere durchschneide, damit ich nicht die ganze Saite durch den Wirbel (oder den Steg) durchziehen muss.

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Ich öffne den Knoten am Steg…

…und ziehe dann das eine Ende durch den Steg…

…und das andere durch die Mechanik.

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Die neuen Saiten werden erst vom Schalloch her durch den Steg geschoben.

Man nimmt dann das heraushängende Ende…

…und bindet es zu einer Schlaufe, die sich beim Stimmen am Steg festzieht. Wenn du die Bilder in diesem Artikel anklickst, kommst du „näher“ ans Geschehen ran.

Das Resultat sollte in etwa so aussehen. Es lohnt sich darauf zu achten, die überhängenden Enden möglichst kurz zu lassen (oder sie mit der Schere zu stutzen). Falls diese Saitenenden nämlich die Decke berühren, können sie später beim Spielen schnarren.

Einige Gitarristen ziehen ihre drei Basssaiten so auf, dass sie nur eine einfache Schlaufe benutzen. Beides ist erlaubt, aber ich bevorzuge den komplizierteren Knoten.

Hier siehst du ein Katalogfoto einer Ramírez, bei der die Basssaiten mit großen Schlaufen am Steg befestigt sind (Foto anklicken):

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An der Wirbelplatte wird die Saite in die (dazugehörige) Mechanik eingefädelt…

…durchgezogen, und wie im Bild mit sich selbst „verankert“.

Danach kann man die Saite auf ihre Stimmung bringen.

So soll das Resultat an der Mechanik aussehen.

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Ich ziehe meine Nylonsaiten am liebsten so auf, dass ich mit den Wirbeln, die am dichtesten am Sattel sind, beginne und mich dann in Paaren von Sattel entferne (also: E-e, A-h und D-g).

Wenn alle Saiten drauf sind, sollte man sie der Reihe nach einige Male dehnen, genau wie bei einer Western- oder E-Gitarre. Leider brauchen Nylonsaiten viel länger als Stahlsaiten um sich zu „setzen“, also um sich genug zu dehnen, dass sie ihre Stimmung länger als nur ein paar Minuten halten. Einen neuen Satz Saiten muss man während der ersten Woche in Benutzung schon recht oft stimmen – nicht verzweifeln.

Übrigens: Viele Profis wechseln bei ihren klassischen Gitarren nicht immer den ganzen Satz. Die drei Diskantsaiten halten nämlich in der Regel bis zu dreimal so lange, wie die – mit weichem Metall umsponnenen – Basssaiten.

Bei klassischen und Flamenco-Gitarren muss man nach dem Saitenwechsel weder die Intonation, noch den Halsstab (gibt es nicht) nachstellen. Sobald die Saiten drauf sind, kann man Musik machen.

Die Fender Telecaster: Toller Sound auf Kosten der Intonation?

Warum muss man die Oktavreinheit einstellen?

Der Abstand der Bundstäbchen entlang des Griffbretts wird anhand einer mathematischen Formel berechnet. Leider ist diese Formel rein theoretisch, d. h. sie berücksichtigt nicht die unterschiedliche Spannung (Stimmung), die unterschiedliche Saitendicke und die verschiedenen Saitenhöhen der Saiten auf einem Instrument. Diese Unterschiede führen aber dazu, dass eine Saite, die auf einen Bund heruntergedrückt wird, in der tatsächlichen Tonhöhe von der theoretisch richtigen Tonhöhe abweicht (meistens ist der tatsächliche Ton zu hoch). Um diese Tonhöhenabweichung aufzufangen, muss der Auflagepunkt der Saiten am Steg (oder an der Brücke) vom theoretisch richtigen Saitenauflagepunkt abweichen – und zwar für jede Saite etwas anders.

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Bei akustischen Gitarren erreicht man dies durch eine angewinkelte Stegeinlage, die häufig sogar noch unterschiedliche Auflagepunkte für die einzelnen Saiten aufweist.

Jazz guitar bridge

Die frühesten E-Gitarren waren modifizierte Archtop-Gitarren (akustische Gitarren mit gewölbter Decke), und hatten Palisander- oder Ebenholzbrücken mit hinein geschnitzten „Stufen“ für die Oktavreinheit. Zur Grobeinstellung der Intonation konnte man diese Brücken einfach auf der Gitarrendecke verschieben.

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Fender 52 Reissue

Der wesentlich klarer definierte Sound der Solidbody-Gitarre, bei der der Korpus aus Massivholz ausgeschnitten wird, machte eine genauere Einstellung der Oktavreinheit notwendig.

52 Tele Bridge

Leo Fenders neuartige Esquire/Broadcaster/Telecaster-Brücke kombinierte eine Grundplatte aus Blech (in die der Brückentonabnehmer eingebaut war) mit Einstellschrauben für die Saitenhöhe (je Saite) und die Oktavreinheit (in Saitenpaaren).

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Die in den frühen Fünfzigern neuartige Brücke der Fender Telecaster spielt eine wichtige Rolle für den besonderen Twang diese Gitarrentyps.

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Im Verlauf der 1950er und 60er experimentierte man bei Fender mit unterschiedlichen Brückenreitertypen – Messing (glatt), Stahl (glatt), Stahl („Gewindestange“) und Stahlreitern mit je einer Rille pro Saite – aber die Grundbauweise blieb unverändert. Eine Blechwanne mit drei Brückenreitern – super Sound, aber nicht ganz präzise Intonation.

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70s Fender six-saddle

Zwanzig Jahre nach der Markteinführung von Fenders bahnbrechender Solidbody-Gitarre hatten sich einige Dinge geändert.

Im Jahr 1951 konnte man mit der Drei-Reiter-Brücke recht gut leben, denn die üblichen Saitensätze von damals (12er oder 13er) hatten umsponnene g-Saiten. Der größte Sprung in der Intonation ist zwischen der höchsten umsponnenen Saite und der tiefsten nicht-umsponnenen, damals also von der g- zur h-Saite. Diese beiden Saiten lagen auf verschiedenen Brückenreitern, weshalb man den Sprung in der Stellung der Reiter gut in den Griff bekommen konnte.

In den späten Sechzigern benutzten die meisten Gitarristen wesentlich dünnere Saitensätze, bei denen die g-Saite nicht umsponnen ist. Die unumsponnene g-Saite verlagerte den Intonationssprung auf einen einzigen, nämlich den mittleren der drei Reiter.

Die Firma Fender behielt zwar auf ihren regulären Telecaster-Modellen die Drei-reiter-Brücke bei, aber die meisten neuen Modelle in den Siebzigern bekamen neue Brücken mit sechs Reitern verpasst. Oben siehst du zum Beispiel eine Sechs-Reiter-Brücke, die man auf der zweiten Version der Telecaster Custom (eingeführt 1972) finden kann.

Diese neue Brücke ermöglichte jetzt eine exakte Einstellung der Oktavreinheit, aber viele Tele-Liebhaber fanden, dass dieser Brückentyp den Klang der Gitarre ausdünnte und spitzer machte (auch wenn ein Teil dieses Problems womöglich an Fenders veränderten Brückentonabnehmern lag).

Hipshot 6-saddle

Modern Fender 6-saddle

Neuere Brückenmodelle von Herstellern, wie z. B. Hipshot, Gotoh oder Fender, haben meistens eine dickere Grundplatte. Diese Brücken funktionieren klasse, aber viele Hardcore-Fans der Telecaster finden, dass die dickeren Grundplatten den Twang des Instruments zu sehr dämpfen.

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Es gibt aber auch einen anderen, twangfreudlicheren Ansatz das Intonationsproblem zu lösen: Die Blechgrundplatte bleibt, nur die Brückenreiter werden ausgetauscht.

Joe Barden angled

Tonabnehmer-Spezialist Joe Barden erfand für den (leider zu früh verstorbenen) Tele-Master Danny Gatton eine Brücke, bei der die Gewinde schräg in die Messingreiter geschnitten werden.

Wilkinson

Graph Tech

Diese Austauschreiter von Wilkinson und Graph Tech habe pro Reiter zwei Rampen, die den Saiten unterschiedliche Auflagepunkte vorgeben.

Diese drei Ansätze (Barden, Wilkinson und Graph Tech) funktionieren toll, und lösen das Problem der Oktavreinheitwork sehr effektiv, solange man nur Saitensätze mit unumsponnenen g-Saiten benutzt.

pivoting brass saddles

Mastery stainless steel

Wer allerdings die volle Freiheit haben möchte, egal welche Saiten zum Einsatz zu bringen, sollte sich für eine Lösung entscheiden, bei der man den Winkel der Brückenreiter selber einstellen kann. Gute Beispiele hierfür sind die Austausch-Reiter aus dem Hause Wilkinson oder diese Stahlbrücke von Mastery.

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Wieso schwören, trotz all der neuen Erfindungen und der unpräzisen Oktavreinheit, immer noch so viele Gitarristen auf Telecaster-Modelle im „veralteten“ Vintage-Stil? Ganz einfach: Der Mensch lernt sehr schnell „das Beste“ aus den Gegebenheiten zu machen, mit denen uns ein Design konfrontiert.

Im Fall der Fender Telecaster bedeutet dies, dass die meisten Tele-Spieler gelernt haben ihre Gitarre so einzustellen und zu stimmen, dass sie mit den Ungenauigkeiten leben können.

Hier sind drei Ansätze (aus einer Vielzahl von Möglichkeiten):

1.) Der 50 Prozent Ansatz

Nachdem du einen neuen Satz Saiten aufgezogen hast, stellst du als Erstes (mit deinem Stimmgerät) die Brückenreiter so ein, dass die Oktavreinheit, sowohl für die beiden E-Saiten, als auch für die g-Saite (ich nenne die drei die „allerwichtigsten“ Saiten), am zwölften Bund korrekt ist. Stimme im weiter Verlauf deine Tele immer so, dass du die leeren E-Saiten, und die leere g-Saite, auf die richtige Tonhöhe stimmst. Die restlichen drei Saiten (A, D und h) werden dann so gestimmt, dass die Stimmung am siebten Bund gegriffen korrekt ist.

Die A-, D- und h-Saite sind jetzt natürlich oberhalb und unterhalb des siebten Bundes nicht hundertprozentig „sauber“, aber im Ganzen kling deine Tele jetzt besser temperiert, als wenn du diese Saiten leer gestimmt hättest. Du kannst abschließend die Stimmung noch etwas (mit dem Ohr) mit offenen Akkorden nachjustieren.

2.) Tuner-temperiert

Nachdem du einen neuen Satz Saiten aufgezogen hast, stellst du als Erstes (mit deinem Stimmgerät) die Brückenreiter so ein, dass die Oktavreinheit (am zwölften Bund) bei allen Saiten relativ gleichmäßig „daneben“ ist. Also zum Beispiel beim E- und A-Saitenpaar so, dass die E-Saite einen Tick zu hoch ist, während die A-Saite einen Tick zu niedrig. Nachdem du alle Saiten so eingestellt hast, stimme deine Tele so, dass die Tonhöhe am siebten Bund gegriffen korrekt ist.

Alle Saiten sind jetzt natürlich oberhalb und unterhalb des siebten Bundes nicht hundertprozentig „sauber“, aber im Ganzen kling deine Tele jetzt besser temperiert, als wenn du die Saiten einfach leer gestimmt hättest. Du kannst abschließend die Stimmung noch etwas (mit dem Ohr) mit offenen Akkorden nachjustieren.

3.) A-temperiert

Nachdem du einen neuen Satz Saiten aufgezogen hast, stellst du als Erstes (mit deinem Stimmgerät) die Brückenreiter so ein, dass die Oktavreinheit (am zwölften Bund) bei allen Saiten relativ gleichmäßig „daneben“ ist. Also zum Beispiel beim E- und A-Saitenpaar so, dass die E-Saite einen Tick zu hoch ist, während die A-Saite einen Tick zu niedrig. Stimme danach die leere A-Saite auf die korrekte Tonhöhe. Als nächstes benutze die A-Saite als deinen Referenzton, und stimme die restlichen Saiten wie folgt:

• Die E-Saite am fünften Bund zur offenen A-Saite

• Die D-Saite am siebten Bund zur offenen A-Saite (oder dem Flageolettton am 12. Bund)

• Die g-Saite am zweiten Bund zur offenen A-Saite (oder dem Flageolettton am 12. Bund)

• Die h-Saite am zehnten Bund zur offenen A-Saite (oder dem Flageolettton am 12. Bund)

• Die hohe e-Saite zur offenen A-Saite (oder dem Flageolettton am 12. Bund)

Du kannst abschließend die Stimmung noch etwas (mit dem Ohr) mit offenen Akkorden nachjustieren.

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Wie schon gesagt, diese Methoden sind nicht die Heiligen Zehn Gebote, sondern nur drei Arten, die dir das Leben mit einer Drei-Reiter-Telecaster leichter machen können. Am Ende entscheiden immer noch deine Ohren!

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