Testbericht: Gretsch Streamliner G2420T Hollow Body

Gretsch Streamliner G2420T – label

Gretsch Guitars haben kürzlich ihre neue Streamliner-Serie vorgestellt, die preislich unterhalb der Electromatic-Serie angesiedelt ist.

Momentan gibt es drei Grundmodelle in der neuen Serie:

Die G2622 Streamliner Center Block (gibt es auch linkshändig) ist eine Semiakustikgitarre mit einem durchgehenden Mittelblock, deren Styling an eine Country Gentleman Doublecut aus den Sechzigern erinnert. Die G2655 Streamliner Center Block hat ein ähnliches Design, aber mit einem größenmäßig abgespeckten Korpus. Unsere Testgitarre, die G2420 Streamliner Hollow Body, ist wiederum eine ausgewachsene Vollresonanzgitarre, die stark an Gretschs legendäre 6120 Hollow Body angelehnt ist.

Alle drei Modelle gibt es auch als T-Versionen mit Bigsby Lightning Vibratos. Die Streamliner-Serie wird in Handarbeit in Indonesien gefertigt.

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Gretsch Streamliner G2420T – full front from PS LRG

Die Gretsch Streamliner G2420T Hollow Body (ungefährer Preis ca. 550 €) sieht wesentlich teurer aus, als sie es tatsächlich ist.

Das Vibrato-Modell G2420T gibt es derzeit in Burgundy Red oder in Gold-Metallic, das Grundmodell (mit lyraförmigem Saitenhalter) bekommt man nur in dunklem Sunburst.

Gretsch Streamliner G2420T – back beauty

Der vollakustische Korpus der G2420T wird aus gepresstem Ahorn-Sperrholz hergestellt. Die Decke ist, in traditioneller Gretsch-Manier, mit zwei parallelen Holzstreben versteift (engl. parallel bracing).

Der Hals ist aus Nato – einem asiatischen Holz, welches vom Aussehen her an Mahagoni erinnert – und in der Korpus eingeleimt.

Gretsch Streamliner G2420T – headstock

Die Streamliner Hollow Body macht optisch richtig was her – zusätzlich zum Binding am Korpus, gibt’s auch ein eingefasstes Griffbrett und Binding an der eleganten Kopfplatte.

Gretsch Streamliner G2420T – tuners

Die neue Gretsch wartet mit einem qualitativ hochwertigem Satz verkapselter Stimmmechaniken auf.

Gretsch Streamliner G2420T – fretboard

Die Bundierung ist sehr sauber ausgeführt. Das Streamliner-Modell hat vintage-mäßige, kleine Bünde. Die Griffbretteinlagen der G2420T sind große Rechtecke aus Perloid.

Gretsch Streamliner G2420T – Bigsby B60

Die günstigere Lightning-Serie von Bigsby wird unter Lizenz in Asien hergestellt. Das Bigsby B60 ist speziell für den Gebrauch auf Jazzgitarren mit tiefem Korpus gedacht.

Gretsch Streamliner G2420T – Adjustomatic bridge

Die Adjusto-matic-Brücke dieser Streamliner-Gitarre wirkt auf den ersten Blick wie eine traditionelle, also freistehende Brücke. Gretsch macht uns Gitarristen aber das Leben einfacher, weil diese Brücke gegen unbeabsichtigtes Verschieben gesichert ist. Die zur Höhenverstellung benötigten Gewindestangen ragen nämlich unter dem Palisanderfuß heraus, und greifen in in den Korpus gebohrte passende Vertiefungen. So kann weder im Eifer des Gefechts auf der Bühne, noch beim Saitenwechsel etwas verrutschen.

Gretsch Streamliner G2420T – Broad'Tron pickups

Der deutlichste Unterschied zwischen der Streamliner G2420T und ähnlichen Modellen aus den Electromatic- und Pro-Modellreihen findet sich in den Tonabnehmern:

Abhängig vom Modelltyp, finden sich auf einer Gretsch Pro G6120 Hollow Body entweder DeArmond Dynasonic Einspuler, Gretsch Filter’Tron Humbucker oder ähnliche Tonabnehmer aus dem Angebot von Tonabnehmerspezialist TV Jones. Neuere Electromatic G5420 Modelle sind mit Gretsch Black Top Filter’Tron Tonabnehmern ausgestattet, die asiatische Lizenzkopien der Originale sind.

Die neuen Streamliner-Gitarren stellen einen neuen Tonabnehmer-Typ vor, den Gretsch Broad’Tron Humbucker. Die Broad’Tron Pickups haben – anders als Filter’Trons – die volle Humbucker-Größe, und einen Sound, der einen Zwischenweg zwischen der Wärme von herkömmlichen PAF-artigen Zweispulern und dem Biss von Filter’Trons gehen soll.

Gretsch Streamliner G2420T – controls

Die Anordnung der Regler auf der G2420T ist typisch Gretsch:

Unterhalb des F-Lochs finden sich je ein Volumenregler pro Tonabnehmer, sowie eine gemeinsame Klangblende. Dazu gibt es noch einen Master Volume Regler beim Cutaway.

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Gretsch Streamliner G2420T – body beauty 2

Ich kann nur noch einmal betonen, das mich die Verarbeitung dieser günstigen Gretsch wirklich voll überzeugt hat! Dabei handelte es sich nicht um ein vom nordischen Vertrieb (Fender Scandinavia) bereitgestelltes (und „getuntes“) Testinstrument, sondern um eine Gitarre, die ich selbst direkt im Laden von der Wand genommen habe (vielen Dank an DLX Music Helsinki).

Die Gretsch G2420T Streamliner Hollow Body ist sehr sauber verarbeitet, und gibt einem keinen Anlass zu irgendwelchen Beanstandungen (besonders in Anbetracht des musikerfreundlichen Preises). Die saubere Bundierung bildet die Basis für die flotte Bespielbarkeit dieses Instruments.

Aus irgendeinem Grund nennt Gretsch diese Halsprofil „Thin U“; ich würde eher von einem satten D mit leicht abgeflachtem Rücken sprechen.

Das Bigsby B60 läuft butterweich und hält die Stimmung bei „normaler“ Benutzung recht gut (ein Bigsby ist eigentlich nie eine gute Wahl für Leute mit „goldenem Gehör“). Da ein Bigsby B6/B60 ohne die zusätzliche Umlenkrolle der anderen Bigsby-Vibratos auskommt, spricht das B60 leichter an und ist (in positiver Hinsicht) direkter im Gebrauch. Man bekommt hier also mit sehr wenig „Aufwand“ das legendäre Bigsby-Schimmern geboten.

Der unverstärkte Klang der Streamliner Hollow Body ist typisch für „Jazzmütter“ aus gesperrtem Ahorn – sehr offen, mittenbetont und trocken.

Meiner Meinung nach geht Gretschs Konzept, die Streamliner-Serie mithilfe der Broad’Trons stärker in den Mainstream zu rücken, voll auf. Nein, von den Broad’Trons kann man nicht den perlig-krispen, manchmal auch schneidenden Ton von Filter’Tron Pickups erwarten, aber es finden sich hier dennoch genügend schmatzende Präsenzen für einen gretschigen Sound.

Dank des „breiteren“ Klangs der Tonabnehmer, kann man die Gretsch G2420T auch sehr gut als traditionelle Jazzgitarre einsetzen, über die sonst übliche reine Country- und Rockabilly-Schiene hinaus. Dieser Clip fängt mit dem Hals-TA an:

Die Streamliner Hollow Body macht auch bei leichter Zerre eine gute Figur. Das Verhältnis zwischen Bassregister und Diskant ist bei der G2420T angenehm ausgewogen, und die Ansprache der Gitarre knackig-direkt (was typisch für eine Vollresonanzgitarre ist).

High-Gain-Distortion und/oder extreme Schalldrücke auf der Bühne führen aber – früher oder später – unabdinglich zu jaulendem Feedback. Die ist aber keine Macke, sondern eher eine eingebaute Eigenschaft von Gitarren dieser Art; und in dieser Hinsicht ist die Streamliner Hollow Body auch nicht „problematischer“ als andere Instrumente des gleichen Typs.

Auch das Zerrsound-Beispiel wurde mit einem Blackstar HT-1R Röhrenkombo aufgenommen:

Hier noch die Audiospur vom Youtube-Video. Die Gitarrenspuren wurden hier mit den Amp-Plugins von Apples Garageband aufgenommen. Die Sologitarre benutzt den Brücken-TA, während die Rhythmusgitarren beide Pickups (linker Kanal) oder den Hals-TA (rechter Kanal) benutzen:

Gretsch Streamliner G2420T – body beauty 1c

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Gretsch Streamliner G2420T – beauty shot

Meiner Meinung nach ist die Gretsch Streamliner G2420T Hollow Body eine der besten „vollfetten“ Archtopgitarren dieser Preisklasse – vielleicht sogar die Beste! Wir haben es hier mit einem überraschend hochwertigen Instrument zu tun, welches einem mehr bietet als man bei dem Preis erwartet.

Wenn du den „echten Gretsch-Sound“ ohne Abstriche suchst, würde ich dennoch empfehlen, sich an die (deutlich teurere) Electromatic-Serie mit ihren Filter’Tron Pickups zu halten. Die haben einfach den richtigen Biss.

Eines der Hauptziele der Streamliner-Serie ist aber, Gretsch-Gitarren einem breiteren (und jüngeren) Publikum schmackhaft zu machen, und da haben die fetteren Broad’Tron Tonabnehmer einfach die Nase vorn!

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Gretsch Streamliner G2420T Hollow Body

Preis ca. 550 €

Hersteller: Gretsch Guitars

Ich möchte mich herzlich bei DLX Music Helsinki für die Bereitstellung der Testgitarre bedanken!

Pluspunkte:

+ Preis-Leistungs-Verhältnis

+ Verarbeitung

+ Bundierung

+ gesicherte Brücke (s. Artikel)

+ Bigsby B60

+ Sound

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Testbericht – Vuorensaku T-Style Custom

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Vuorensaku T headstock – preview – mid

Vuorensaku ist eine Instrumentenmarke aus Jyväskylä in Finnland. Dahinter steckt Saku Vuori, ein gelernter Gitarrenbauer und Kunsthandwerker, der Gitarren (und Saiteninstrumente) aller Art baut. Vuorensaku stellt auch edle, handgewickelte Gitarrentonabanehmer her.

Vuorensaku steht für Customgitarren im ursprünglichen Sinn: Saku Vuori hat keine festen Modelle, sondern baut seine Instrumente nach den Wünschen und Bedürfnissen seiner Kunden.

Saku Vuori ist Mitglied im eingetragenen Verein The Guild of Finnish Luthiers.

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Vuorensaku T-Style – full front – bgr

Saku hat uns eine seiner neuesten Kreationen zum Test geschickt – eine super-coole Solidbody, die wie eine Mischung aus einer Fender Telecaster Deluxe (aus den Siebzigern) und einer Gibson ES-5 Switchmaster (aus den Fünfzigern) aussieht. Ich gebe dem Kind mal den Namen „Vuorensaku T-Style Custom“.

Vuorensaku T-Style – full back – bgr

Die T-Style Custom ist aus traditionellen Tonhölzern gefertigt:

Der Schraubhals besteht aus kanadischem Ahorn, und hat ein schokoladenbraunes Palisandergriffbrett. Der (eingefasste) Korpus setzt sich aus zwei Teilen afrikanischem Mahagonis zusammen. Die (in der Mitte verlaufende) Leimfuge ist praktisch unsichtbar – saubere Arbeit, also!

Vuorensaku T-Style – headstock – bgr

Der Sattel der Vuorensaku ist aus echtem Elchknochen geschnitzt.

Das Griffbrett hat einen modernen Radius (9,5 Zoll) und ist mit 21 mittelgroßen Stahlbünden bestückt.

Vuorensaku T-Style – tuners – bgr

Die modernen Kluson Deluxe -Stimmmechaniken der T-Style Custom sehen zwar aus wie Vintage-Wirbel, funktionieren aber deutlich sahniger und genauer, als ihre Vorfahren aus den Fünfzigern.

Vuorensaku T-Style – back beauty – bgr

Die traditionelle Fender-typische Halsbefestigung ist präzise ausgeführt.

Dank ihres dünnen Satinfinishs (Nitrolack) verbreitet die T-Style Custom mehr als nur einen Hauch von Luxus. Dies ist ein Instrument, welches man gerne in der Hand hat, gerne spielt, aber auch gerne einfach nur ansieht.

Vuorensaku T-Style – bridge

Klusons fantastische Half-Size Tele-Brücke ermöglicht es, die klassische Telecaster-Brücke auch auf anderen Instrumenten und/oder mit anderen Brückentonabnehmern einzusetzen.

Für viele Gitarristen ist die („uralte“) Drei-Reiter-Brücke mit den Messingreitern immer noch die am besten klingende Brücke aller Zeiten. Die Reiter sitzen übrigens absichtlich schräg zu den Intonationsschrauben, um ein einfacheres Einstellen der Oktavreinheit zu ermöglichen.

Vuorensaku T-Style – pickups 1 – bgr

Vuorensakus Kunde wollte auf seiner Traum-E-Gitarre drei Tonabnehmer im Dog Ear -Look. Ein anderer finnischer Hersteller, Rautia Guitars aus Joensuu, stellt genau so ein Tonabnehmer-Set her.

Veijo Rautias Dog Ear -Set besteht aus zwei splitbaren Humbuckern (Hals- und Brückenposition), sowie einem P-90-Einspuler für die Mittelposition.

Vuorensaku T-Style – controls – bgr

Die Kontrollplatte ist hier absichtlich „verkehrt herum“ angebaut, damit man beim Spielen leichter an den Lautstärkeregler kommt.

Vuorensaku T-Style – electronics – bgr

Saku Vuori hat es tatsächlich geschafft, alle Bauteile in der engen Vintage-Fräsung unter zu bringen!

Im Volumenpoti ist auch der Push/Pull-Schalter für den Humbucker-Split eingebaut. Der Fünfwegschalter funktioniert bei der Vuorensaku genau wie bei einer Strat. Wie man auf diesem Bild unschwer erkennen kann ist die Verarbeitung sehr sauber und die Qualität der Komponenten hoch.

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Vuorensaku T-Style – beauty 2 – bgr

Die Vuorensaku T-Style Custom ist ein Wahnsinnsteil! Sie ist äußerst sauber verarbeitet und spielt sich wie warme Butter. Handgemachte Edelinstrumente, wie diese T-Style Custom, haben immer dieses „gewisse Etwas“, mit dem die meisten massenproduzierten Gitarren einfach nicht aufwarten können.

Die T-Style Custom ist ein sehr leichtes Instrument. Mit einem schmalen und rutschigen Nylongurt lässt sich sogar ein Hauch von Zug am Gurt feststellen, aber ein ordentlicher Ledergurt hält diese Gitarre in perfekter Balance.

Das fette C-Profil dieses Vuorensaku-Halses ist voll nach meinem Geschmack! Der stimmige Mix aus fettem Hals, modernem Griffbrettradius und super abgerichteten Bünden lässt die Fingerchen nur so flitzen. Die Bespielbarkeit war mit einem 010er Satz perfekt (tiefes E: 2,1 mm/hohes e: 1.5 mm).

Unverstärkt kling die Vuorensaku T-Style Custom stark nach einer Vorzeige-Telecaster, was ja kein Wunder ist.

Über einen Verstärker gespielt, hat die Vuorensaku allerdings einen ganz persönlichen Sound, der vom Standard-Tele-Twang stark abweicht. Auch das ist nicht verwunderlich, denn die T-Style Custom hat ja ganz andere Tonabnehmer, sowie eine von der Tele abweichende Schaltung. Die drei Tonabnehmer, der Coil-Split und der Fünfwegschalter lassen einen aus sieben tollen Sounds aussuchen, die alle klanglich im Gebiet zwischen Fender und Gibson angesiedelt sind.

Einen ganz kleinen Kritikpunkt habe ich dann aber doch gefunden: Im Verhältnis zum Halshumbucker ist der Tonabnehmer an der Brücke ein wenig schwachbrüstig. Dies liegt aber nicht an einem Verarbeitungsfehler, sondern ist ein direktes Resultat der Dog Ear -Befestigung, welches einer Menge Gibson- und Epiphone-Usern bekannt sein dürfte. An einer Custom-Gitarre rumzumäkeln ist immer etwas riskant, denn es könnte ja sein, dass die Gitarre genau so bestellt worden ist. Trotzdem, wenn das meine Gitarre wäre, würde ich Saku bitten, den Brückentonabnehmer ein wenig (1,5-2 mm) zu unterfüttern, um ihn dichter an die Saiten zu bringen.

Klanglich überzeugt das Rautia Guitars Dog Ear -Set vollends. Die Humbucker sind keine ekligen Turbo-Tonabnehmer, sondern klingen dank ihres moderaten Outputs stets klar und sauber. Auch im Split-Modus machen die Rautia-Zweispuler eine sehr gute Figur. Sie mit einem herrlich ungehobelten P-90 zu kombinieren, ist ein Geniestreich!

Hier ist ein Audioclip mit den Humbuckern im Split-Modus (es geht mit dem Hals-TA los):

Hier ist ein ähnlicher Clip mit den „vollen“ Humbuckern:

Zum Abschluss noch die Tonspur vom You Tube -Video:

Vuorensaku T-Style – body beauty 1 – bgr

Mann, was für eine sagenhafte Gitarre! Die Vuorensaku T-Style Custom ist ein weiteres Beispiel für den hohen Standard der finnischen Gitarrenbaukunst. Schade, dass ich die Klampfe zurückgeben muss…

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Vuorensaku T-Style Custom

Preisklasse ca. 2.500 – 3.000 €

Mein Dank geht auch an den Promoter des Rockkaamo Festivals, Jani Savolainen, für das Ausleihen seiner Gitarre!

Plus:

+ Made in Finland

+ handgefertigt

+ Verarbeitung

+ Bespielbarkeit

+ Sound

Minus:

– Lautstärkebalance Hals- und Brücken-TA (s. Text)

Vuorensaku T-Style – body beauty 2 – bgr