Testbericht: Bluetone Shadows Reverb Gitarrenkombo

Für viele Gitarristen ist der AC30 von Vox der ultimative Gitarrenamp schlechthin.

Den AC30 – ursprünglich für die Shados entwickelt – kennt man weltweit als den „Beatles-Verstärker“. Über die Jahrzehnte machten unzählige Gitarristen mit dem Komboklassiker Musik. Zu den bekanntesten gehören bestimmt Brian May (von Queen), Rory Gallagher und The Edge von U2.

Trotz ihres legendären Status sind alte Vox AC30s nicht ganz problemlose Verstärker:

Der Kombo ist mit zwei Zwölfzollern bestückt, die in einem recht großzügigen Gehäuse untergebracht sind, was den Klassiker schwer und schwer zu transportieren macht. Alte Originale haben auch keinen Mastervolumen-Regler, weshalb man Zerrsounds nur bei hohen Schalldrücken hervorgelockt bekommt – nichts für Auftritte in kleinen Restaurants oder bei Hochzeitsgigs. Bei alten AC30s sind außerdem alle Röhren – ja, auch die für die Endstufe – beinahe komplett von einem Metallgehäuse eingeschlossen. Das kann unter Umständen zu Hitzestaus führen, was dem Ampklassiker einen unzuverlässigen Ruf eingebracht hat.

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(Foto: Studiofreak/Photobucket)

Die finnische Boutique-Amp-Schmiede Bluetone hat kürzlich einen Kombo herausgebracht, der uns Gitarristen den Sound des Klassikers in kompakter Form offerieren will. Der neue Kombo heißt Bluetone Shadows Reverb, und er beinhaltet eine Reihe technischer Verbesserungen und moderner Detaillösungen.

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Der Bluetone Shadows Reverb (Preis der getesteten Version: 1.950 €) ist ein einkanaliger Vollröhrenverstärker mit Federhall. Der Kombo ist gedacht als moderne, kompaktere Version des „perfekten“ Top-Boost-Kanals.

Der Shadows Reverb läuft in Klasse AB, und bringt es auf eine Ausgangsleistung von 15 bis 30 Watt (abhängig von der Stellung des eingebauten Variac-Schalters).

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Das Kombogehäuse wird aus hochwertigem Sperrholz hergestellt. Der Shadows Reverb ist deutlich kleiner und weniger tief als sein Vorbild aus den Sechzigern.

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Zum größten Teil sind die kompakteren Maße ein Verdienst der kleineren Lautsprecher. Der Bluetone ist mit zwei Celestion Alnico Gold Zehnzöllern bestückt, während das Original zwei Zwölfzöller beherbergt.

Bluetone lässt die Lautsprecher des Shadows Reverb etwa ein dutzend Stunden an einem Oszillator angeschlossen laufen, um den fabrikneuen Lautsprechern ihre anfängliche Starre auszutreiben.

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Dieser Bluetone-Kombo hat drei Röhren des Typs 12AX7, sowie eine 12AT7 in seiner Vorstufe.

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Die Enstufe ist auf vier EL84-Röhren aufgebaut. Der Shadows Reverb ist ein Verstärker mit Kathoden-Bias, weshalb man ihn normalerweise beim Röhrenwechsel nicht neu einzumessen braucht.

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Obwohl der Bluetone Shadows Reverb „nur“ einen Kanal hat, bieted einem dieser Kombo eine erstaunlich breite Palette an verschiedenen Sounds, dank einiger spezieller Features in seiner Endstufe.

Der Shadows Reverb hat zwei Gitarreneingänge – Low und High – für Singlecoil- und Humbuckergitarren.

Der Zweiband-Equalizer ist eine Baxandall-Schaltung – mit ihren typisch-interaktiven Bass- und Diskantreglern. Zusätzlich gibt es noch einen dreistufigen Bass Cut -Schalter, bei dem man zwischen dem grellen Top-Boost-Sound und zwei fetteren Alternativen wählen kann.

Der röhrenverstärkte Federhall klingt einfach super. Der Hallregler lässt sich leicht und genau einstellen – von ganz trocken bis zu manischem Surf-Getöse.

Die Entstufe wird von drei Reglern kontrolliert:

Cut ist ein letzter, allgemein wirkender Diskantfilter.

Bluetone baut seine Master-Volume-Regler hinter dem Phasenumkehrer in die Signalkette ein, also praktisch direkt vor den Lautsprecher. Dies ermöglicht fette Endstufenzerrsounds bei Zimmerlautstärke, mit nur minimalen negativen Auswirkungen auf den Grundsound des Amps.

Wie schon anfangs erwähnt ist im Shadows Reverb auch ein Variac eigebaut. Obwohl der Variac auch die Lautstärke des Kombos senkt, funtioniert er anders als ein Masterregler. Per Variac ändert man die internen elektrischen Betriebsspannungen der Endstufenröhren, was den cleanen Headroom verkleinert und den Kombo stärker komprimieren lässt.

Aufgrund unerwarteten Kundeninteresses musste ich den Bluetone-Kombo leider deutlich früher als erwartet zurückgeben. Glücklicherweise hatte ich schon zwei Demotracks mit dem Shadows Reverb aufgenommen.

Der erste (unverzerrte) Demosong hat zwei Rhythmusgitarren – eine Fender Telecaster (linker Kanal) und eine Kasuga ES-335-Kopie aus den 1970ern (rechter Kanal). Die Sologitarre wurde mit einer Fender Stratocaster eingespielt. Alle Gitarrenspuren wurden mit einem AKG C3000 Kondensatormikro aufgenommen, welches ca. 80 cm vom Kombo entfernt stand:

Der zweite (angezerrte) Demosong ist komplett mit einer Stratocaster (und ohne zusätzliche Pedale) aufgenommen worden. Alle Spuren sind mit zwei Shure SM57 Mikrofonen (close) in stereo aufgenommen worden:

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Der Shadows Reverb von Bluetone ist eine ausgezeichnete Boutique-Amp-Variation des berühmten Vox-AC30-Themas. Wie alle Bluetones wird auch der Shadows Reverb in akribischer Handarbeit in Helsinki hergestellt. Die hohen technischen Standards der Firma spiegeln sich unter anderem im extrem geringen Rauschen und Netzbrummen des Kombos wider.

Dieser Kombo macht einfach Spaß. Der Bluetone Shadows Reverb hat einfach „diesen Sound“, von dem man einfach nicht genug bekommt. Der Bluetone ist nur halb so schwer wie ein AC30, und lässt sich – auch dank seiner geringeren Außenmaße – leicht in einem Kleinwagen verstauen.

Dank des Mastervolumereglers und der Variac-Schaltung macht der Shadows Reverb überall eine gute Figur – egal, ob zuhause, im Studio oder auf der Bühne.

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Bluetone Shadows Reverb

ab 1.700 € (Testversion: 1.950 €)

Hersteller: Bluetone Amps

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Pluspunkte:

+ finnische Handarbeit

+ kompakte Größe

+ reduziertes Gewicht

+ echter Federhall

+ Variac- und Master-Volume-Regler

+ Sound

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